Kunst. Für das Projekt „Pop & Pomp" haben Schülerinnen barocke Gemälde aus der Residenzgalerie aufgemotzt.
Clemens Panagl - Salzburg (SN vom 24.9.2010)
Um visuelle Erlebnisse in einer neuen Dimension zu genießen, muss nicht immer gleich eine 3-D-Brille her. Auch ein Barockgemälde kann über sein Format hinauswachsen. In der Salzburger Residenzgalerie haben Studentinnen der Universität Mozarteum gemeinsam mit Schülerinnen der Modeschule Hallein einem Alten Meister ein Update verpasst: Auf der einen Wand des Gangs, der in die Räume der Ausstellung „Pop &1 Pomp" führt, haben sie die Umrisse von zwei Figuren aus einem Gemälde des Niederländers Barent Graat skizziert. Für den 3-D-Effekt sorgen die Ärmel der Gewänder: Sie sind aus echtem Stoff. An der Wand gegenüber hängt ein Spiegel mit Goldrahmen. Wer sich vor die Installation stellt und in den Spiegel schaut, wird Teil des Porträts. „Wir versuchen, den Betrachter im Bild einzufangen", sagt Karin Zentner, die mit drei Studienkolleginnen und den Schülerinnen die Arbeit gestaltet hat.
Kunstgeschichte trifft Zeitgeist
In der Arbeit mit dem Titel „Barockes Sehen als Verwirrspiel" wird auch
das Ziel der ganzen Ausstellung schön erkennbar: Es geht um den Versuch,
Kunsthistorie und die Lebenswelt von Jugendlichen ein wenig
zusammenrücken zu lassen, das eine im Spiegel des anderen zu betrachten.
„Pop & Pomp" ist die zehnte Ausstellung in der Reihe „Wir machen
Museum", die jungen Menschen - mittlerweile aber auch Senioren und
anderen Gruppen - das Museum schmackhaft machen will. Das Erfolgsrezept
lautet: aktive Beschäftigung mit den Kunstwerken statt theoretischer
Belehrungen. Wer mitmacht, setzt sich selbst künstlerisch mit der
Sammlung auseinander, die Ergebnisse werden wie große Ausstellungen
präsentiert: mit Pressekonferenz und Vernissage. „Die Werke hängen auf
Augenhöhe mit den Alten Meistern, das ist ein großer Ansporn", sagte
Museumspädagogin Monika Fermin-Vaez beim Presserundgang am Donnerstag.
Kuratorin Gabriele Groschner verwies auch auf zwei Auszeichnungen, mit
der die Reihe der Residenzgalerie bereits geehrt wurde. Nicht
altmeisterlich, sondern erstaunlich eigenständig wirken auch bei „Pop &°
Pomp" manche Exponate: Cathrin Lankes hat etwa ihre Mitschülerinnen
aus einer 8. Klasse der Ursulinen im Rokoko-Outfit posieren lassen.
Entstanden ist etwa eine starke Fotoserie mit modernen Vanitas-Motiven.
Christina Spirka und andere Klassenkolleginnen haben die Fotografien mit
einer Puppenskulptur erweitert. Zu sehen sind auch eine
Bühnenbild-Installation zu einer „Poppea"-Inszenierung des Mozarteums (Violaine
Thel) sowie einige kurzweilige Videoarbeiten, in denen Schülerinnen
ebenfalls Gemälde aus der Barocksammlung mit der Gegenwart bekannt
machen: „Let's pimp Barock" heißt einer der Clips - frei nach der
MTV-Serie „Pimp My Ride", in der alte Autos zu schrägen Luxuskarossen
aufgemotzt werden.
Vernissage: Sa., 25.9.2010, 11 Uhr, Residenzgalerie.
Internet: www.residenzgalerie.at